Sie sind hier: Redneragentur

Hubertus Porschen: "Elterngeld Plus – Staat schiebt Verantwortung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf Unternehmen

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein essentielles Thema in Zeiten des Fachkräftemangels. Mutterschutz, Elternzeit, Elterngeld und viele weitere Mechanismen wurden in den letzten Jahren eingeführt und sind im Kern auch gute Ansätze, um Mütter zu entlasten. Das gemeinsame Ziel, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Zeiten des Fachkräftemangels liegt im Interesse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

(c) Dr. Hubertus Porschen

Mit dem in der letzten Legislaturperiode eingeführten Elterngeld Plus soll auch Vätern die Betreuung der Kinder schmackhaft gemacht werden. Und doch muss man sich fragen, wie weit es mit dem allgemeinen Regelwerk gehen soll. Denn hinter vielen Gesetzen, wie auch dem Elterngeld Plus, verbergen sich oftmals große Schwierigkeiten für Arbeitgeber. Sie treffen vor Allem nur selten den Kern des Problems. An Steller richtiger Rahmenbedingungen greift der Staat in „Klein-Klein Manier“ ein, anstelle der Forcierung richtiger Rahmenbedingungen.

Was ist das Elterngeld Plus?

Es geht weg wie warme Semmeln. Das Elterngeld Plus erfreut sich nach zweieinhalb Jahren steigender Beliebtheit. Mittlerweile nimmt fast jeder dritte Elterngeld-Antragsteller die Elterngeld plus-Option in Anspruch. Was steckt dahinter? Die alte Version des Elterngelds erlaubte es Müttern, bis zu 12 Monaten im Beruf auszusetzen und weiterhin 67 Prozent des Nettogehalts vom Staat zu beziehen. Dem Lebenspartner werden anschließend weitere zwei Monate Pause mit denselben Bezügen gewährt. Insgesamt haben Eltern Anspruch auf bis zu 3 Jahre Elternzeit pro Kind. Diese Zeit sollte zwischen der Geburt und einem Alter des Kindes von drei Jahren in Anspruch genommen werden. Das Elterngeld Plus ermöglicht, diese Zeit zu strecken. In Teilzeit können sowohl Mütter als auch Väter, die Elternzeit auf bis zu 24 Monate bzw. 28 Monate verlängern. Diese Regelungen sind für Unternehmen zwar eine Herausforderung was Vertretungen der ausfallenden Mitarbeiter angeht, jedoch noch gut zu stemmen. Das Problem ergibt sich aus dem Zusatz der sogenannten „flexibleren Elternzeit“. Mit dem Elterngeld Plus dürfen Eltern von nun an die 3 Jahre Elternzeit bis zum achten Lebensjahr des Kindes ausweiten und nach ihren Wünschen stückeln. In 96 Monaten dürfen also 36 Monate maximal in 4 Zeiträumen im Beruf ausgesetzt werden. Aber wie soll beispielsweise eine Vertretung für jemand gefunden werden, der nach einem Jahr Elternzeit in den nächsten 7 Jahren weitere 3 mal 8 Monate aussetzt? Hier wird einem schon beim Rechnen schwindelig. In der Praxis bedeutet das eine unmögliche organisatorische Leistung für alle Arbeitgeber! Am Ende bleibt die Stelle ohne Vertretung, der Bürostuhl leer und die Kollegen müssen die Arbeit kompensieren. Die Kosten für Staat, Unternehmen und letztlich auch die Arbeitnehmer dieser Maßnahme sind viel zu groß.

Falscher Fokus

Um es nochmals zu betonen: Wir Unternehmer wissen um die Wichtigkeit einer ausgewogenen Work-Life-Balance und wir tun viel dafür, dass Arbeitsplätze noch attraktiver werden. Wir brauchen kein starres gesetzliches Geschirr, damit der Karren in Richtung Work-Life-Balance rollt. Man mag es kaum glauben, aber Unternehmen setzen die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf durchaus freiwillig um, damit gute Leute den Weg zu ihnen ins Unternehmen finden. Alles andere wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch. Viel wichtiger als noch mehr Regeln, die in keinster Weise auf die unterschiedlichen Personalstrukturen von Unternehmen eingehen, wäre eine ganz andere Baustelle anzugehen: Betreuungsmöglichkeiten zur Entlastung der Eltern! Denn hier hakt es wirklich. Wer in Deutschland Kinder bekommen möchte, und gleichzeitig Karriere machen möchte, muss beinahe eine Grundsatzentscheidung treffen. Das darf nicht sein.

Wo es wirklich fehlt

Der Anteil der Ganztagsschulen ist von einem von der Politik geforderten flächendeckenden Angebot weit entfernt. Eine aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt: Gerade mal 40 Prozent der Schulen in Deutschland bieten ganztägige Betreuung an. Gerade im Westen des Landes sind sie die absolute Ausnahme. Nicht besser sieht es bei der Kinderbetreuung in Kitas aus. Besonders in großen Städten ist die Suche nach Kita-Plätzen für viele Eltern ein Graus. So berichtet der Spiegel von über 300.000 fehlenden Betreuungsplätzen für Kinder unter 3 Jahren – 65.000 Plätze mehr als im letzten Jahr! Während der Staat alle Verantwortung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit bürokratischen und organisatorischen Auflagen auf die Arbeitgeber abschiebt, kommt er selbst nicht in die Gänge. Wie wäre es, statt Gesetze zu erlassen mal mit einer schnellen und effizienten Umsetzung guter Betreuungsmöglichkeiten? Sollte sich diese nämlich in nächster Zeit nicht verbessern, hilft auch keine Stückelung der Elternzeit. Dann müssen Mama und Papa solange zu Hause bleiben, bis die Kinder auf sich alleine aufpassen können."


Profil Hubertus Porschen

Hubertus Porschen als Redner buchen:

Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns bitte unter kontakt@eq-events.de oder unter +49 (0)6236 69 39 044. Wir beraten Sie gerne persönlich.

 

Quelle: https://www.hubertusporschen.com/2018/01/12/elterngeld-plus-staat-schiebt-verantwortung-von-vereinbarkeit-von-familie-und-beruf-auf-unternehmen/

Stand. 01/2018